Ist die Freimaurerei christlich ausgerichtet?
Die Freimaurerei ist historisch in den christlich geprägten Ländern Europas entstanden. Ihre frühen Ausdrucksformen und Rituale spiegeln daher christliche Symbole, Denkfiguren und ethische Maßstäbe wieder – etwa die Berufung auf die Bibel, die Zehn Gebote oder die Bergpredigt. Doch im Laufe ihrer Entwicklung hat sich die Freimaurerei zunehmend von einer rein christlichen Ausrichtung gelöst.
Heute steht sie für ein allgemeines humanitäres Menschenbild, das religiöse Vielfalt einschließt.
Humanismus statt Dogma
Die Freimaurerei richtet sich nicht nach bestimmten Glaubenssystemen, sondern an einem ethischen Ideal: der Würde des Menschen, der Freiheit des Denkens und dem Streben nach innerer Erkenntnis.
Ein religiöser Glaube wird nicht vorausgesetzt – wohl aber die Bereitschaft, sich mit moralischen Fragen auseinanderzusetzen.
Brüder unterschiedlichster religiöser oder weltanschaulicher Hintergründe finden in der Freimaurerei Raum für gemeinsamen Austausch, sofern sie den ethischen Grundkonsens mittragen.
Unterschiedliche Ausprägungen in Deutschland
In Deutschland gibt es fünf anerkannte Großlogen, die jeweils eigene Prägungen haben.
Eine davon – die Große Landesloge der Freimaurer von Deutschland (GLLvD) – vertritt als einzige eine dezidiert christliche Ausrichtung.
Sie erwartet von ihren Mitgliedern eine christliche Grundhaltung und ein Bekenntnis zu Jesus Christus, der innerhalb dieser Logik als „Obermeister“ verehrt wird.
Die übrigen vier Großlogen – darunter die „Großloge der Alten Freien und Angenommenen Maurer von Deutschland“ (A.F.u.A.M.v.D.) oder auch meine Großloge, „Zu den Drei Weltkugeln“ 3WK– machen die Religionszugehörigkeit nicht zur Bedingung. Ihre Mitglieder können christlich, jüdisch, muslimisch, buddhistisch oder konfessionsfrei sein.
Ein geistiger Raum für viele Überzeugungen
So verschieden die Zugänge auch sind – die Freimaurerei verlangt von niemandem den Verzicht auf persönliche Glaubensüberzeugungen.
Vielmehr schafft sie einen gemeinsamen Boden, auf dem religiöse wie weltliche Weltanschauungen gleichwertig nebeneinanderstehen – getragen von Toleranz, Brüderlichkeit und dem Willen zur Verständigung.