Was bedeutet: „Arbeit am rauen Stein“?
Wenn wir Freimaurer vom „Tempel der Humanität“ sprechen, meinen wir kein äußeres Gebäude, sondern ein geistiges Bauwerk.
Ein Bauwerk, das aus uns selbst besteht – denn wir Brüder begreifen uns als die Bausteine dieses Tempels.
Der raue Stein: Sinnbild des Menschen
Im Steinbruch sind die Steine zunächst roh, kantig, unbehauen. So verstehen wir auch uns selbst bei der Aufnahme in den Bund:
Als rauer Stein, noch unbearbeitet, mit Ecken, Kanten und Unebenheiten.
Der Freimaurer ist aufgerufen, an sich selbst zu arbeiten – nicht zur Perfektion, sondern zur Reifung.
Diese Arbeit ist individuell:
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Manche Steine sind hart und tragfähig – sie eignen sich für das Fundament.
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Andere sind weich und formbar – sie finden ihren Platz in der Gestaltung.
Selbsterkenntnis als erster Schritt
Die Arbeit am rauen Stein beginnt mit einem Appell: „Erkenne dich selbst!“
Denn nur, wer sich mit seinen Stärken, Schwächen, Grenzen und Potenzialen auseinandersetzt, kann seinen Platz im Ganzen finden.
Mit jedem Abtragen einer inneren Unebenheit, mit jeder bewussten Handlung, jedem neuen Gedanken wird der Stein geformt – nicht durch Dogma, sondern durch Selbstarbeit.
Die Loge als unterstützender Raum
Diese Arbeit geschieht nicht im luftleeren Raum. Die Loge ist der Ort, an dem wir uns spiegeln, austauschen, prüfen und wachsen können.
Im brüderlichen Umgang entstehen Impulse, Rückhalt und Orientierung. Ohne diese Gemeinschaft würde die Arbeit oft ins Stocken geraten.
Ein Weg ohne Ende – aber mit Sinn
Das Ziel ist nicht ein perfekter Stein, sondern ein immer besser eingepasstes Werkstück im Bau des Menschlichen.
Der ideale Kubus bleibt ein Symbol – aber unser Streben danach verleiht unserem Tun Tiefe.
Und so endet die Arbeit am rauen Stein nie – aber sie wird mit jedem Schlag sinnvoller.