Muss der Freimaurer seinem Meister vom Stuhl gehorchen?
Die Freimaurerei kennt keine Befehlskette im klassischen Sinn. Auch der Meister vom Stuhl – das gewählte Oberhaupt einer Loge – ist kein Herrscher, sondern der Erste unter Gleichen (primus inter pares).
Verantwortung in der Tempelarbeit
Während der rituellen Tempelarbeit führt der Meister vom Stuhl die Brüder – klar, verbindlich und gemäß dem Ritual.
Er ist während dieser Arbeit allein verantwortlich für den Ablauf. Was er dort sagt, geschieht idealerweise – nicht aus Macht, sondern aus ritueller Ordnung.
Doch auch er ist an Ritual, Form und Inhalt gebunden – seine Führung ist dienend, nicht autoritär.
Entscheidungen außerhalb des Tempels
Außerhalb des Tempels nimmt der Meister vom Stuhl leitende Funktionen wahr – im Rahmen seiner klar definierten Kompetenzen.
Doch sobald eine Entscheidung weitreichend oder gemeinschaftsrelevant ist, stimmt er sich ab:
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mit der Logenführung (Erstem und Zweitem Aufseher),
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mit dem Beamtenrat (allen gewählten Logenbeamten),
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oder mit allen Brüdern in der Logenversammlung.
Dort, in demokrischer Abstimmung, werden wichtige Themen wie Logenreisen, Beitragshöhen oder strukturelle Änderungen gemeinsam beschlossen.
Begrenzte Macht – gewählte Verantwortung
Die „Macht“ des Meisters vom Stuhl ist begrenzt.
Er dient der Loge, nicht umgekehrt.
Er trägt Verantwortung, aber nicht Alleinentscheidungsrecht.
Wir Brüder folgen ihm, weil wir ihn gewählt haben – und weil wir Vertrauen in die Art und Weise seiner Führung setzen.